Geistliche Gedanken in besonderen Zeiten – Nr. 29
Kaum zu glauben ...
Liebe Schwestern und Brüder,
Kaum zu glauben, sagen die einen empört und murren. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Wir, die 12 Stunden lang geschuftet haben, und die da, die nur eine Stunde gearbeitet haben, bekommen den gleichen Lohn?
Kaum zu glauben, denken die Letzten, die bei der Auszahlung des Lohnes die Ersten sind. Das ist uns noch nie passiert. Die Geschichte, die Jesus erzählt, hat es in sich. Was kommt bei den Hörern an? Wie ist das zu verstehen: „ Freund, dir geschieht kein Unrecht!“ Jedes Gleichnis ist in sich schon ein Vergleich. Buchstäblich, denn Jesus vergleicht: Mit dem Himmelreich ist es wie … Gleichnisse Jesu sind eine Herausforderung, neu und anders zu denken. Das geht nicht ohne ihn.
Kaum zu glauben; Jesus selbst eröffnet den Menschen ungeahnte Möglichkeiten. Der Evangelist Matthäus setzt eigene Akzente. Im Blick auf die Nachfolge fragt Petrus „ Was werden wir dafür bekommen?“ (Mt 19,8). Jesus antwortet mit der Erzählung vom Gutsbesitzer, der Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. „Ich werde euch geben, was recht ist“. (Mt 20,4)
Kaum zu glauben, gleicher Lohn für alle. Tagelöhner werden weit über ihre Arbeitsleistung hinaus entlohnt. Sie empfangen zugleich eine Wertschätzung und Anerkennung, die sie nicht durch eigene Leistung verdient haben. Können, werden die Ersten verstehen? Leistung zählt und wird belohnt. Sie haben rechtschaffen gearbeitet; der Gutsbesitzer zahlt ihnen den vereinbarten Lohn. In der Tat, ihre Arbeit ist des Lohnes wert. Was macht sie unzufrieden und lässt sie aufbegehren? Im Gespräch bemüht sich der Gutsbesitzer um sie. Können, werden sie verstehen? „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Eingeprägte Lebensgefühle und Haltungen werden angefragt. Das verunsichert.
Der Gutsbesitzer möchte die Arbeiter für sich gewinnen und ihren Blick weiten. Er wendet sich Ihnen zu, tadelt nicht. Ob sie verstehen? Das bleibt offen. Denn die Hörer der Botschaft sind eingeladen, ihren Standpunkt zu finden. In Freiheit, das ist der Weg, den Jesus in der Person des Gutsbesitzers zeigt. Entdecke das Mehr an Lebenssinn; entdecke, was dich zum Leben befreit. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist unvergleichlich, weil sie ohne Unterschiede allen Menschen gilt. (Zum Evangelium des 25. Sonntags im Jahreskreis, Matthäus 20, 1-16)
Herzlich grüßt Sie,
Maria Waldner, Gemeindeleiterin St. Engelbert